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Kölner Denkmäler

„Jeden Monat legen wir ein neues Denkmal fest“
Ulrich Markert (69) engagiert sich für die Rettung und Wiederherstellung von untergegangenen Kleinoden


Wie engagieren Sie sich ehrenamtlich?
Ich kümmere mich seit etwa 12 Jahren im Ortsverein Köln des Rheinischen Vereins um die grüne Denkmalpflege, das heißt Gärten und Parks. Als Projektleiter organisiere ich einzelne Projekte und versuche Besserung zu bewirken. Das muss man längerfristig intensiv tun.

Wie kamen Sie dazu?
Ich habe mich schon immer für die Kultur und den Ort interessiert, in dem ich mich aufhielt: für Bochum, wo ich aufgewachsen bin, für Würzburg, wo ich studiert habe und für Köln, wo ich jetzt seit über 30 Jahren lebe. Ein Bekannter erzählte mir vom Rheinischen Verein und nahm mich mit auf eine Veranstaltung nach Bernkastel-Kues. Ich war so begeistert davon, dass ich den Ortsverband in Köln aufsuchte. Dort hat mich der Vorsitzende gefragt, ob ich nicht Lust hätte, im Arbeitskreis „Denkmal des Monats“ mitzuarbeiten. Der versucht, gefährdete, nicht gepflegte und vor dem Abriss stehende Denkmäler zu erhalten, indem er sie in die Öffentlichkeit rückt.

Welche großen Projekte haben Sie betreut?
Seit 2001 engagieren wir uns im „Volkspark Raderberg“ aus in den 20er Jahren auf dem ehemaligen preußischen Pulvermagazin von dem berühmten Gartenbauarchitekten Fritz Encke gebaut wurde. Heute ist er nach ihm benannt. Er war in Vergessenheit geraten. Das dort einst bestehende Freilufttheater war nicht mehr erkennbar, als wir mit einer Truppe eine Fahrrad-Tour dort entlang gemacht haben. Alles war völlig zugewachsen und verwildert. Der Park hatte nach zwei Weltkriegen stark gelitten und zum Teil bebaut worden. Wir haben den Park im Arbeitskreis öffentlich vorgestellt und Führungen veranstaltet, zu denen 1.000 Besucher kamen. Dabei haben wir Ideen für die Revitalisierung des Parks gesammelt. Es hat sich eine Anlieger-Initiative gebildet und wir haben die alten Staudengärten wieder hergestellt, einen Brunnentempel und Wasserstellen mit einem großen Graben errichtet. Dabei hatten wir auch Unterstützung von der Stadt und der Bezirksvertretung Rodenkirchen. Ich habe ein dreistufiges Patenschaftskonzept entwickelt und konnte die Behörden davon überzeugen, dass die Paten unter Anleitung von Fachleuten und in Zusammenarbeit mit dem Grünflächenamt die Pflege übernehmen.

Was waren weitere Projekte?
Der Park des Krankenhauses Hohenlind war ebenfalls verwahrlost. Im Jahr 2009, dem Tag, an dem ich im Stadtarchiv diesbezüglich recherchieren wollte, ist es eingestürzt. Da hatte ich Glück, dass ich nicht gerade da war. Seit 2002 kümmern wir uns auch um den Landschaftspark Belvedere. Dort wollte die Stadt ursprünglich einen 53 Hektar großen Biotechnologiepark einrichten. Das konnten wir zusammen mit den Anliegern verhindern. Hilfreich sind bei solchen Dingen bekannte Schirmherren wie in diesem Fall Konrad Adenauer, der Enkel des einstigen Oberbürgermeisters. Das Gebiet hat in der Regionale 2010 einen A-Status erhalten. Auch den unter Denkmalschutz stehenden Bahnhof Belvedere konnten wir bewahren, indem wir ihn im März 2010 als Denkmal des Monats vorstellten. Wenn Denkmäler der Kommune gehören, leiden sie besonders.

Was bewirkt die Vorstellung als „Denkmal des Monats“?
Wir machen damit auf die aufmerksam, die vor dem Abriss stehen oder nicht den richtigen Pflegezustand haben. Sie werden im Arbeitskreis vorgestellt und wir besprechen das Vorgehen. Jeden Monat legen wir ein neues Denkmal fest, das wir öffentlich vorstellen. Dadurch tut sich immer etwas. Initiativen bilden sich oder die Behörden werden aktiv. Wir arbeiten mit den Eigentümern, ansässigen Vereinen und den Ämtern zusammen. Jeder kann Projekte vorschlagen, die er dann meistens auch leitet.

Was war Ihr erstes Projekt?
Als ich 1999 anfing, habe ich den völlig zugeschütteten Felsengarten im Fort VI bei einer Fahrradtour entdeckt und ihn im Arbeitskreis vorgeschlagen. Wir haben ihn öffentlich vorgestellt und mit Unterstützung des Grünflächenamtes wieder freigelegt. Ein weiteres Projekt, das ich entdeckt habe, war das Orgelbauerhäuschen in Mülheim, das ebenfalls völlig verwahrlost war und inzwischen wieder in neuem Glanz erstrahlt. Manche Denkmäler entdecken wir selbst, bei anderen bekommen wir Tipps von den Behörden, Politikern oder aus der Bevölkerung.

Was bedeutet das Ehrenamt für Sie?
Wenn man nicht mehr berufstätig ist, muss man selbst dafür sorgen, dass man eine Aufgabe hat. Wenn man wie ich vorher im mittleren Management war, war man es gewohnt, dass andere was für einen tun, jetzt muss man alles selbst tun. Ehrenamt macht aber nur Spaß, wenn man Erfolg hat und natürlich stößt man immer auch auf Schwierigkeiten.

Wie viel Zeit investieren Sie?
Oft täglich mehrere Stunden. Es sind immer langfristige Projekte, die ich betreue. Es geht nicht nur um Parks, sondern auch um Gebäude wie das Haus Balchen auf der Severinsstraße. Dort waren die Arbeiten ins Stocken geraten. Durch die Öffentlichkeit, die es durch uns erhalten hat, ist es inzwischen saniert. Wir treffen uns an jedem dritten Mittwoch und besprechen, was ansteht. Es geht immer darum, zu klären, was erforderlich ist, um die Denkmäler wieder herzustellen. Zu den Aufgaben gehören Gespräche mit den Eigentümern zu führen, in Archiven zu recherchieren, Gelder zu sammeln, mit den Behörden zu sprechen und auch selbst aktiv mit anzupacken.

Was machen Sie sonst in Ihrer Freizeit?
Ich habe ein Abo bei der Philharmonie und bei der Oper, fahre gerne Fahrrad und leite auch Fahrradtouren. Zweimal jährlich organisiere ich geführte Touren durch Parks und zu Denkmälern.

Inga Sprünken





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Rheinischer Verein e.V.
Der Rheinische Verein kümmert sich um die Denkmalpflege und den Landschaftsschutz. Er hat etwa 5.000 Mitglieder und ist regional in die sieben Ortsverbände Bonn/Rhein-Sieg/Ahr, Düsseldorf/Mettmann/Neuss, Euskirchen, Eifel, Köln, Niederrhein und Trier gegliedert. In Köln gibt es etwa 850 Mitglieder.
Der Verein gibt halbjährlich ein Programm heraus, das Führungen, Exkursionen, Denkmaltreffs, Lichtbildervorträge und Diskussionen beinhaltet.
Eine vereinseigene Bibliothek umfasst Sammlungen zur Kultur-, Ortsgeschichte, Denkmalpflege, Natur- und Landschaftskunde auf dem gesamten Gebiet der preußischen Rheinprovinz sowie sämtliche Eigenpublikationen. Dazu gehören ein Vierteljahresheft, das Heft „Rheinische Kunststätten“ und „Rheinische Landschaften“ sowie Bücher, die sich mit aktuellen Forschungsthemen beschäftigen, Ausstellungskataloge zu Museumsprojekte, die der Verein unterstützt sowie Kultur- und Landschaftsführer und den Rheinland-Kalender.
www.rheinischer-verein.de