Eine Reise ins Mittelalter

Versetzt ins Mittelalter fühlt man sich im Rheingold.

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Sie hat keine einzige Jeans und kein T-Shirt im Schrank. Denn sie trägt nur Kleider – keine gewöhnlichen, sondern Gewänder. Bei Talena Rheingold kann man in eine andere Welt eintauchen. Sie ist Betreiberin von „Rheingold“, dem Mittelalter- und Fantasy-Shops in der Annostraße 9. Und der feiert am Samstag, 14. März, sein zehnjähriges Bestehen mit einem bunten Spektakulum. „Der Kundenstopper am Markt zeigt den Weg“, sagt die stets gut gelaunte Geschäftsfrau und meint damit das von Ihrem Ehemann selbst hergestellte Holzschild. „Ich bin mit Leib und Seele Krämerin“, erklärt die Frau mit der orangeroten Mähne. Und dazu gehört auch das Lagerleben, dem sie jährlich auf 20 bis 30 Märkten zwischen März und November deutschlandweit frönt.

Dass Grün ihre Lieblingsfarbe ist, erkennt man nicht nur an ihren Gewandungen, sondern auch am Design ihres Ladens. Den betritt man durch einen efeuberankten Bogen. Talena Rheingold steht hinter ihrer Ladentheke, die von einem Drachenkopf gekrönt ist und ruft freundlich „Seid gegrüßt, wie kann ich helfen“. Neben ihr zieht ein Regal voller Flaschen die Blicke auf sich – 22 Sorten Met aus Deutschland, Schweden, Polen, Österreich und Schottland finden sich darin. Und dann gibt es da noch das bei Fans sehr beleibte Honig-Bier. Wer etwas kauft, darf probieren. Doch das Sortiment wird von anderen Dingen bestimmt: Gewandungen in allen Farben und Formen, für Männer und Frauen, für Einsteiger und für Profis, aus dem Großhandel oder als Maßanfertigung. Dazu gibt es handgefertigte Leder-Corsagen, Gürtel, Taschen, Beutel, Schuhe, Stiefel und Kopfbedeckungen aller Art. Komplettiert wird das Ganze mit Schwertern, Kettenhemden, Rüstungsteilen, Trinkpokalen, Düften, Elben-Ohren und Masken. Hier findet man alles, was die Welt des Mittelalters so hergibt.

Ihre Leidenschaft für diese finstere Zeit entdeckte die gebürtige Bonnerin bereits im Alter von 12 Jahren, als sie erstmals mit Mutter und Großmutter den Mittelaltermarkt in Siegburg besuchte. Jahre später stieß sie zur Tisch-Rollenspiel-Gruppe ihres Freundes hinzu. Es dauerte nicht lange und sie baute sich eine eigene Rollenspielgruppe auf. Mit dieser zog sie sieben Jahre lang als Lager-Chefin mit Schauzelten über die Mittelaltermärkte. „Wir haben das Leben als Reisende im 12. Jahrhundert dargestellt“, erzählt die Geschäftsinhaberin, die auch eine Taverne betrieb. Schließlich entdeckte sie ihre Leidenschaft: „Gewandungen sind einfach meins“, so die Chefin, die zu dieser Zeit noch einem ganz normalen Büro-Job im Öffentlichen Dienst nachging. Doch der Wunsch nach einem eigenen Laden wurde immer stärker und so gründete sie im Jahr 2006 das „Rheingold“ als Online-Handel und zog mit ihren Waren über die Märkte. Nach vier Jahren hatte sie genug Erfahrung gesammelt und hängte ihren Job an den Nagel.

Zu diesem Zeitpunkt war sie gerade Mutter einer kleinen Tochter geworden. Doch schon kurze Zeit später kündigten sich Zwillinge an – eine Herausforderung für die frisch gebackene Unternehmensgründerin. Sie öffnete nur zwei Tage in der Woche und biss sich durch. Inzwischen ist der Mittelalter-Laden etabliert und an sechs Tagen geöffnet. Ihre Kunden, die sie vielfach auf den Märkten kennenlernt, kommen aus ganz Deutschland und der Schweiz nach Siegburg. Unterstützt wird die Ladenchefin, die mit der Geschäftsgründung ihren Künstlernamen annahm, von „Raziel“, ihrem Mitarbeiter. Der ist ebenfalls mit einer eigenen Mittelalter-Truppe unterwegs und mit Leib und Seele im Thema. „Man muss eben etwas Besonderes aus allen Dingen machen. Normal gibt es schon“, sagt Talena Rheingold und lacht. Und so kommen manche Stammkunden sogar täglich, um in der Mittagspause in die Welt des Mittelalters abzutauchen.

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